Tango Therapie bei somatischen Beschwerden
BEREICHE
Die Methode basiert auf sensorischer Integration, Koordination und strukturierter Bewegungsführung. Dadurch bleibt sie auch bei stark reduzierter Mobilität anwendbar.
Inklusion bei sitzenden, liegenden und körperlich eingeschränkten Personen
Neurotango® ist nicht an klassische Tanzformen gebunden.
Die Methode ist so konzipiert, dass sie im Stehen, im Sitzen oder im Liegen angewendet werden kann. Dadurch ist sie auch für Menschen mit erheblichen Bewegungseinschränkungen geeignet.
Hier finden Sie einige Beispiele dafür wie Anpassungen an Bewegungsprinzipien vorgenommen werden können:
- Menschen mit Sehbehinderung oder Blindheit, bei denen taktile Orientierung und räumliche Wahrnehmung im Vordergrund stehen.
- Menschen mit Hörbehinderung oder Taubheit, die rhythmische Strukturen über Vibration und kinästhetische Wahrnehmung erfassen.
- Menschen mit Sprachbeeinträchtigungen, die über nonverbale Kommunikation, Haltung und Körperspannung Ausdrucksmöglichkeiten entwickeln.
Warum die unterscheidet Neurotango® in Neurologie, Psychologie, Somatik und Coaching?
Die praktische Anwendung der Tools unterscheidet sich je nach Anwendungsfeld.
- In der Neurologie stehen neuroplastische Prozesse und motorische Reorganisation im Vordergrund.
- In der Psychologie geht es um Emotionsregulation und psychosoziale Stabilisierung.
- In der Somatik liegt das Ziel in der Verbesserung körperlicher Symptome und der Regulation funktioneller Einschränkungen.
- Im Coaching stehen Ressourcenaktivierung, Selbstregulation sowie Selbst- und Fremdwahrnehmung im Mittelpunkt.
Die Tools bleiben strukturell vergleichbar, ihr therapeutischer Schwerpunkt verändert sich jedoch je nach Zielgruppe.
Typische Anwendungsbeispiele für somatische Bereich der Tango Therapie
- Rollstuhlfahrer
- Sehbehinderungen
- Hörbehinderungen
- Gehbehinderungen
- Tinnitus
- Muskuläre Probleme
- Herz-/Kreislauf Probleme
- Atemprobleme
- Gleichgewichtsprobleme
- Reha nach Unfällen
- Sprachprobleme
- Allgemeine Bewegungseinschränkungen
- Stressbedingte somatische Symptome
- Schmerztherapeutische Begleitung
Die in diesen Zielgruppen beobachteten Wirkmechanismen und funktionellen Veränderungen werden im Bereich Wissenschaft näher erläutert.
Anwendung von Neurotango® in der Somatik und Psychosomatik
Neurotango® als Bewegungstherapie mit Musik
Bei körperlichen Funktionsstörungen ist der Zusammenhang zwischen Bewegung und körperlicher Reaktion unmittelbar nachvollziehbar. Veränderungen in Muskelspannung, Beweglichkeit oder Koordination werden häufig direkt spürbar.
Die von Musik begleitete, strukturierte Trainingsform wird von vielen Teilnehmern als motivierend und weniger belastend empfunden als rein funktionelles Üben. Insbesondere bei chronischen Schmerzpatienten berichten einige Teilnehmende während der Übungssequenzen über eine temporäre bzw. langfristige Reduktion des Schmerzempfindens. Einige chronische Schmerzpatienten berichten auch über eine Aufhebung des Schmerzempfindens, beispielsweise bei arthrotischen Beschwerden. Diese Beobachtungen beziehen sich auf das subjektive Erleben und sind nicht mit einer strukturellen Heilung gleichzusetzen.
Bei Neurotango® ist der muskuläre Aufbau, die Verbesserung von Flexibilität, Kondition oder Gleichgewicht nicht das alleinige Ziel, sondern ein begleitender Effekt innerhalb eines umfassenderen Lernprozesses.
Die Methode wirkt auf neurologischer, biochemischer und psychosozialer Ebene. Durch die Verbindung von Bewegung, Rhythmus und sozialer Interaktion entstehen Lernprozesse, die funktionelle Veränderungen unterstützen können.
Verschiedene Kliniken, darunter auch die Diana Klinik, haben Neurotango®-Techniken in die therapeutische Arbeit mit Schlaganfall-Patienten integriert. Dabei wird insbesondere die hohe Motivation der Teilnehmenden als unterstützender Faktor beschrieben.
Auch an der Charité Berlin wurde der ganzheitliche Ansatz im klinischen Kontext von Post-Covid-Patienten angewendet.
In der Skool-Gruppe sind ausgewählte Videoeinblicke in die praktische Arbeit mit den Techniken dokumentiert.
Vorteile der Tango Therapie (Neurotango®)
- Alle Übungen der Tango Therapie beziehen kognitive Prozesse mit ein und werden durch musikalische Reize strukturiert. Bewegung und Rhythmus wirken dabei als kombinierte sensorische Stimuli, die unterschiedliche neuronale Netzwerke aktivieren.
- Die Methode setzt bei neurologischen Erkrankungen auf die gezielte Aktivierung bewegungsrelevanter Hirnareale. Improvisationsbasierte Bewegungsformen ermöglichen dabei Lernen ohne starre Schrittfolgen. In spezifischen Übungen können zusätzlich Gedächtnisleistungen eingebunden werden, um neuronale Verknüpfungen zu fördern.
- Emotionen spielen eine zentrale Rolle im Lernprozess. Musik sowie das gemeinsame Bewegen im sozialen Kontext erzeugen emotionale Aktivierung. Emotional bedeutsame Reize werden im Gehirn effizienter verarbeitet und können die Stabilisierung neuer Bewegungsmuster unterstützen.
- Musik ist in der Lage, emotionsgebundene Erinnerungen zu reaktivieren. Diese Verknüpfung von Emotion, Gedächtnis und Bewegung wird beispielsweise auch bei dem Phänomen der Musikerinnerung bei Demenz beobachtet. Bewegungsprogramme sind häufig mit emotionalen Erfahrungen gekoppelt und können über musikalische Reize leichter zugänglich werden.
- Emotionale Aktivierung beeinflusst synaptische Prozesse und kann Lernvorgänge in motorischen, kognitiven und sozialen Bereichen unterstützen. In der praktischen Anwendung werden häufig positive Veränderungen im sozialen Verhalten beschrieben.
- Rhythmische Strukturen können die Gangdynamik stabilisieren, ähnlich wie externe Taktgeber. Durch wiederholtes Üben unter rhythmischer Führung kann die Bewegungsflüssigkeit unterstützt werden.
- Musik aktiviert gleichzeitig mehrere Hirnnetzwerke. In Kombination mit Bewegung werden unter anderem Systeme angesprochen, die mit Motivation, Belohnung und Schmerzmodulation in Verbindung stehen, darunter dopaminerge und opioide Prozesse.
- Bei Parkinson wird Dopamin für motorische Abläufe benötigt. In der praktischen Arbeit mit Betroffenen wurde beobachtet, dass sich im Verlauf der Teilnahme funktionelle Veränderungen zeigen können. Medikamentöse Anpassungen erfolgen jedoch ausschließlich durch behandelnde Ärztinnen und Ärzte.
- Auch im Bereich depressiver Symptomatik werden positive Effekte auf Stimmung und Aktivierung beschrieben.
- Die Synchronisation von Bewegung, Rhythmus und sozialer Interaktion kann zudem regulatorische Effekte auf Herz-Kreislauf-System und neuronale Aktivitätsmuster haben.
Studien zu den oben genannten Mechanismen finden Sie unter unserem Link Wissenschaft.